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seit 1537 - Beiträge zur Geschichte Altonas

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Beitrag von Marcus Mohr vom 23. Juli 2003

Warum "altona.dk"?

Sehr einfach. Es war einmal vor langer Zeit dänisch. Die Könige von Dänemark waren damals nicht nur Throninhaber in dem Staate, in dem manchmal etwas faul war, sondern in Nebenbeschäftigung auch Herzöge von Schleswig und von Holstein. Zu diesem Besitz holten sie sich 1640 auch das Fischerdorf Altona, das sie anschließend zum dänischen Konkurrenten für die erfolgreiche Hansestadt Hamburg ausbauten. Übrigens behauptet keiner, der große Brand von Altona 1713 wäre von den neidischen Pfeffersäcken aus der Nachbarstadt gelegt worden, denn dem Erfolg des Newcomer an der Nordsee hat's ohnehin nicht geschadet. Mit der Trennung der beiden Städte haben dann ausgerechnet die Nazis Schluss gemacht mit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937. Seither gibt es nur noch einen Hafen an der Elbe, der läuft. Aber wann wird endlich Rotterdam eingemeindet?

Und jetzt ein bescheidener Vorschlag für wenigstens zwei neue T-Shirt-Logi der jungen, innovativen Kollektion "altona.dk", gedacht für den modernen und informierten Hamburger und Altonaer mit Geschichtsbewusstein minus Guido Knopp

"altona.at" - Die Habsburger an der Strandperle

Altona, als Teil Holsteins, stand 1865-1866 unter österreichischer Verwaltung. Das, weil im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 Preußen und Österreicher gemeinsam gegen die Dänen Krieg geführt hatten, damit Christian IV. niemals wieder versuchen würde, Holstein und Schleswig voll in sein Königreich einzugliedern. Die Dänen hatten sich nämlich am galoppierenden Nationalismus angesteckt, der damals in Europa grassierte, und die gleichfalls infizierten Deutschen schwer beleidigt - gemäß dem Motto "Dänemark über alles, vom Skagerrak bis an die Schlei!" Postwendend verloren die Dänen den Krieg gehörig gegen die verbündeten Preußen und Österreicher. Bismarck, der alte Fuchs, plante aber schon das Duell um Deutschland mit den Österreichern, und daher wurde Schleswig von den Preußen besetzt und Holstein netterweise den Österreichern überlassen, damit man diese später in die Zange nehmen konnte. Was dann 1866 im Deutsch-Österreichischen Krieg auch der Fall war. Also wurde Altona 1865 österreichisch, 1866 preußisch, und erst 1871 so richtig deutsch. Das ist verwirrend, ich weiß.

"So richtig deutsch" sage ich, weil die Konstruktion rechtlich nicht gerade einfach war. Holstein und Altona waren eigentlich niemals wirklich dänisch: die Stadt Altona gehörte zur Grafschaft Pinneberg, und die wieder irgendwie zum Herzogtum Holstein, und das nun wieder zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Der dänische König aber war nun zufällig zur gleichen Zeit auch noch Herzog von Holstein. Dabei lag Altona immer innerhalb der Grenzen des alten Deutschen Reiches. Schleswig, dessen Herzog auch der König von Dänemark war, gehörte allerdings nicht zu diesem alten Deutschland. Aber es war auch nicht Teil des Königreichs Dänemark. Als die Dänen diesen komplizierten Zustand ändern wollten, indem Schleswig wirklich Dänemark einverleibt werden sollte, kam es erst 1848 und 1864 schon wieder zum Krieg mit dem Deutschen Bund - dem Nachfolger des Deutschen Reiches seit 1815. Also war Altona bis 1864 holsteinisch und deutsch und dänisch zur gleichen Zeit, bis 1866 holsteinisch, deutsch und österreichisch, bis 1871 nur preußisch, und dann mit der Gründung des Bismarckreiches endlich deutsch und preußisch.

"hambourg.fr" - Vive l'Empereur!

Hamburg, oder in diesem Fall besser Hambourg, war von 1810 bis 1814 Teil Frankreichs. Ein richtiges Département mit Präfekt und Gendarmerie. Wer kein Französisch sprach, konnte damals nicht einmal Hamburger Zeitungen lesen. Dies alles, weil Napoleon mit einer "Kontinentalblockade" verhindern wollte, dass die Engländer - seine Kriegsgegner - mit dem Kontinent Handel treiben. Da sich die alten deutschen Hansestädte aber nicht dran hielten, wurden sie kurzerhand seinem Kaiserreich einverleibt, damit der französische Zoll auch in Hamburg, Bremen oder Lübeck zuschlagen konnte. Beliebt gemacht haben sich die Franzosen damit nicht. Die Hamburger hatten die französischen Zollbeamte, Douaniers genannt, ähnlich lieb wie heute Politessen. Beendet wurde dieser seltsame Zustand erst mit Napoleons erster Abdankung von 1814. Profitiert davon hatte übrigens Altona, denn es gehörte zu der Zeit ja noch zu Dänemark. Da aber der Däne aber mit dem Franzosen verbündet war, konnte Napoleon ihm schlecht etwas wegnehmen. So lief dann auch der Schmuggel zwischen den Londoner und den Hamburger Pfeffersäcken von London über Helgoland, das damals englisch besetzt war (noch ein T-Shirt!), und Altona nach Hamburg, pardon, Hambourg. Die letzte Strecke sollen die Schmuggelwaren übrigens in Särgen geliefert worden sein, damit die Douaniers nicht hinschauen.

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